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Den ausführlichen und anspruchsvollen Synoptischen Vergleich aus der Dissertation “Die Bedeutung der Verklärungsepisode für das lukanische Doppelwerk” von Christina Pacewicz (Quelle: uni-duisburg-essen.de), mit dessen Hilfe Ihr Eure Vermutungen überprüft, findet ihr auf den Seiten 37-58 des nachfolgenden Dokuments…
In den nächsten Wochen sollen unsere im “Grundkurs” erworbenen theoretischen Kenntnisse kreative Anwendung und Vertiefung erfahren. Hierzu nachfolgend einige Informationen…
Was ist Digital Storytelling?Digital Storytelling beschreibt einen kreativen und lehrreichen Arbeitsprozess, in dem mit Hilfe digitaler Werkzeuge auf fesselnde, einprägsame und emotional ansprechende Weise eine Erzählung gestaltet wird. Wie alle Erzählungen sind sie in der Regel nicht zu lang, konzentriert, prägnant und häufig durch eine bestimmte persönliche Perspektive geprägt. Sie können Bilder, Video, Text, Sprache und Musik mischen und zu etwas Neuem zusammenfügen.
Wie finde ich mein Thema? Gemeinsames Thema unserer Digital Storytelling-Projekte ist die Bibel: Ob es sich um Personen (z.B. Propheten/-in; Jünger, Jesus), zeitliche Abschnitte (Gefangenschaft Israels, Heimkehr aus dem Exil, Urgemeinde), einzelne oder mehrere Beispiel verschiedener Textsorten (Psalmen, Wunder- und Gleichniserzählungen) handelt, Ihr von persönlichen Erfahrungen ausgeht oder biblische Impulse zu einer von euch selbst entwickelten Frage-/Problemstellung zusammenstellt und gestaltet – das genaue Thema Eurer Digital Story könnt und sollt ihr eigenständig finden. Die im Unterricht vorgestellten Themen und Text-Zusammenstellungen können, müssen dabei aber nicht Berücksichtigung finden.
Welche digitalen Werkzeuge verwende ich? Auch in der Wahl Eurer Werkzeuge habt Ihr ein hohes Maß an Freiheit bzw. müsst Ihr entscheiden, was Ihr für Euer Projekt benötigt. Ihr könnt z.B. mit Eurem Handy Fotos, Audioaufnahmen erstellen und mit einer Ton- und Videoschnitt-Software nachbearbeiten. Ihr könnt mit Hife von Tools wie http://aviary.com, http://bit.ly/FotoStory3, http://www.vuvox.com und http://www.animoto.com Bilder, Videos und Audio kombinieren. Ihr könnt mit zeitgemäßen Präsentationshilfen wie http://prezi.com und http://www.empressr.com oder auch Animationswerkzeugen wie http://www.goanimate.com und http://www.xtranormal.com bewegungsreiche Erzählungen entwickeln. Natürlich können auch traditionelle Werkzeuge wie PowerPoint und MovieMaker bzw. den entsprechenden Programmen anderer Betriebssysteme verwendet werden. Wer sich mit einer größeren Auswahl an Tools auseinandersetzen möchte, kann dies hier tun: http://cogdogroo.wikispaces.com/StoryTools – Eigene Videos schneidet ihr am besten mit der kostenlosen Software VirtualDub: http://bit.ly/VirtualDub
Welche Materialien kann ich verwenden? Eure Produkte dürfen nicht gegen das Urheberrecht verstoßen, d.h. alle Bild-, Video- und Textquellen müssen am Ende Eures Projekts nachgewiesen werden, die Erlaubnis zur Benutzung von Euch eingeholt werden. Auf der sicheren Seite seid ihr durch die Verwendung freier Medien, wie sie z.B. auf http://bilder.tibs.at, http://search.creativecommons.org und http://ccmixter.org zu finden sind.
Wie gestalten wir unsere Arbeitszeit? Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit ist die Unterrichtszeit, die Umsetzung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einige Hausaufgabenzeit beanspruchen. Ihr könnt Ideen und Arbeitsverteilung über unser GoogleDoc http://bit.ly/DigitalStorytellingBibel festhalten bzw. organisieren. Bei Problemen sprecht mich bitte rechtzeitig an!
Nach welchen Kriterien wird unser Projekt bewertet?
Welche drei Dimensionen sind zum Verständnis der Bibel wichtig – und warum? - Zum Verständnis der Bibel sind die folgenden Dimensionen von großer Bedeutung: 1. Literarische Dimension (Die Bibel ist im Ganzen und in seinen Details nach allen Regeln der Textauslegung zu betrachten) – 2. Historische/gesellschaftliche Dimension (Bibel als Dokument der Geschichte, Texte müssen deswegen wie historische Quellen und soziologische Befunde ausgelegt werden) – 2. Religiös-theologische Dimension (Bibel als Heilige Schrift der Juden und der Christen, gute Botschaft für alle Menschen).
Nenne und erkläre knapp den vierfachen Schriftsinn, den die Kirche kennt. - Die Bibel kann in unterschiedlicher Art und Weise verstanden werden. Die Kirche kennt daher den vierfachen Schriftsinn: 1. Die Bibel kann wörtlich verstanden werden. – 2. Die Bibel kann allegorisch und symbolisch gedeutet werden, die Erwähnung bestimmter Orte kann beispielsweise einen bestimmten Sinn haben, welcher sich erst im Glauben erschließt. – 3. Die Bibel kann praktisch interpretiert werden, d.h. man versucht Bibeltexte nach ihrer Bedeutung für den Glauben heute zu interpretieren. – 4. Die Bibel kann anagogisch (hinaufführend) interpretiert werden, d.h. man versucht in Bibeltexten das zu finden, was dem Menschen von Gott endgültig verheißen ist. — (Trutwins Beispiel “Jerusalem” und auch das Zitat von AUgustinus von Dänemark illustrieren diese 4 Ansätze in verständlicher Weise)
Nenne die 5 Text-/Schriftsorten, in die sich die 27 Schriften des NT einteilen lassen. - Die 27 neutestamentlichen Schriften lassen sich in 5 Text-/Schriftsorten einteilen: 4 Evangelien, Apostelgeschichte, 14 Paulusbriefe, 7 katholische Briefe (Briefe ohne bestimmte Empfängergruppe, allgemein-umfassende Inhalte) und die Offenbarung des Johannes.
Wann und über welchen Zeitraum ist das NT entstanden? - Im Gegensatz zum Alten Testament ist das Neue Testament in einem kürzeren Zeitraum (knapp 100 Jahre) entstanden. Die einzelnen Texte des NTs sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden, erst zu einem späteren Zeitpunkt wurden sie zu einer Textsammlung zusammengestellt. Jesus von Nazareth steht am Anfang und im Zentrum des Neuen Testaments.
Worauf zielen die 27 neutestamentlichen Schriften ab, was ist ihr primärer Sinn? - Der primäre Sinn der 27 Schriften liegt darin, die Botschaft und das Leben Jesu zu verkündigen. Die Menschen sollen wieder zum Glauben an Jesus Christus bewegt werden. Die Erinnerung an ihn soll gewahrt werden. Die Schriften des NTs dienen bis heute als wichtige Orientierung für die Kirche.
Inwiefern ist das NT Gottes Offenbarung? - Man kann das Neue Testament nicht direkt als Gottes Offenbarung verstehen, sondern nur als Zeugnis seiner Offenbarung. Das Neue Testament ist nicht vom Himmel gefallen oder eine Kopie eines Originals, welches im Himmel aufgezeichnet wurde, und aufbewahrt wird. Es ist eine Sammlung vieler verschiedener Texte, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind.
Hat Gott das NT geschrieben? - Nein. Die Schriften des Neuen Testaments wurden vielmehr von menschlichen Verfassern geschrieben, die sich in ihren Texten nicht verbergen, sondern deutlich zu erkennen geben.
Charakterisiere die Sammlung von Texten, die das NT ausmacht. - Das NT ist Zeugnis der Offenbarung, d.h. des Sich-Zeigens Gottes. Die neutestamentlichen Texte unterscheiden sich in ihrer Sprache, ihren Bildern und Begriffen, ihren Strukturen und Entstehunsgeschichten, ihren Kommunikationsformen sowie in ihren Wirkungen, sie bleiben dabei aber mit der Literatur ihrer Zeit verbunden.
Welche Prägungen zeigt das NT nach Thomas Söding? - Das Neue Testament ist nach Thomas Söding von der Geschichte seiner Entstehung geprägt. Die Verfasser der Bücher spielen hierbei eine sehr große Rolle und auch diejenigen, die die Geschichten gelesen und tradiert haben. Auch die Sprache prägt das Neue Testament, sowie das damalige Weltbild und die Erfahrungen der Menschen mit Jesus.
Inwiefern ist das NT auch eine wichtige historische Quelle? - Das Neue Testament ist insofern eine wichtige historische Quelle, dass es Auskünfte über die Frühgeschichte des Christentums, der spätantiken Religionsgeschichte, der politischen Geschichte Palästinas im 1. Jhdr. sowie über die römische Rechtsgeschichte gibt. Auch informiert das Neue Testament gut über das soziale und kulturelle Leben in der Antike, wie zum Beispiel über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, zwischen Arm und Reich und zwischen Sklaven und Freien.
NT2: Die Heilge Schrift der Christen
Wo und wozu hat die Bibel ihren “Ort” (auch: “Sitz im Leben”)? - Die Bibel hat ihren “Sitz im Leben”, d.h. ihren Verwendungsort im Gottesdienst und in der Liturgie, da sie dort als Wort Gottes den Christen vorgelesen wird. Damit werden sie dazu aufgefordert, der Bibel zu glauben und ihr zu folgen.
Was bedeutet “spontane Bibellektüre”? - Spontane Bibellektüre bedeutet, dass manche Menschen die Bibel als “Lebensbuch” lesen und keine Erklärung für sie brauchen, sondern sie mit Hilfe von durch Gott geschenktem Verständnis verstehen können. So kann die Bibel als Anregung für z.B. Gebete, aber auch zu sozialem und politischem Handeln dienen.
Was ist “Bibliodrama” und wozu dient es? - „Bibliodrama“ bezeichnet das Nachspielen (auch in Form von Tänzen) von biblischen Szenen. So kann die Bibel gut nachempfunden und verstanden werden.
Welchen Anspruch erheben die Evangelien und die Paulusbriefe nach Thomas Söding? - Nach Thomas Söding erheben die Evangelien den Anspruch, den wahren Jesus zu zeigen, sie sind (gemeinsam mit dem Alten Testament) Quelle und Richtschnur christlichen Glaubens. Die Paulusbriefe beanspruchen, den Glauben gültig zu verkünden.
Was heißt “Kanon-Bildung”? Nenne deren vier Stufen nach Thomas Söding! - Kanon-Bildung bedeutet die Zusammenfassung einzelner Schriften zur offiziellen Heiligen Schrift. Die Geschichte der neutestamentlichen Kanon-Bildung beginnt mit der Abfassung der Texte und setzt sich fort im Lesen (bspw. Im Gottesdienst ). Wichtig ist auch der Austausch der Texte zwischen verschiedenen Gemeinden und das Bemühen um eine sachgerechte Exegese der Schrift („Auslegung“ z.B. im Gottesdienst). Den Abschluss findet der Kanon in ersten Sammlungen von Briefen und Evangelien. Trotz einiger Auseinandersetzungen bezüglich einiger Texte klärte es sich in den ersten zwei Jahrhunderten rasch, welche Texte und Schriften es wert sind, im Testament festgehalten zu werden. Der Kanon ist sehr wichtig für das Verständnis der Schrift bei der Auslegung im Gottesdienst. Der Ursprung dieses Prozess es liegt in der Prägung von Schriften durch z.B. durch das Heilshandeln Gottes in der Menschwerdung; Tod und Auferstehung Jesu etc.
Was ereignet sich nach Thomas Söding in der Geschichte der neutestamentlichen Kanon-Bildung? - Nach Ansicht Södings ereignet sich eine Legitimierung des theologischen Anspruchs, den die neutestamentlichen Schriften erheben. Hinzu kommt die Wahrnehmung der theologischen Bedeutung, die Pflege des theologischen Erbes etc. Dies meint, dass die Texte im NT auch den theologischen Anspruch haben, den sie verkünden sollen. Sie sollen ungekürzt die Glaubenserfahrungen der damaligen Zeit bewahren.
Was kennzeichnet nach Augustinus das biblisch-christliche Verständnis der Offenbarung? - Augustinus meint, dass Gott Menschen sucht, indem er durch Menschen zu anderen Menschen spricht. Folglich darf man die “Heiligkeit” des Neuen Testaments nicht nur in den Schriften suchen, die uns vorliegen, sondern in deren Menschen, durch die sich Gott offenbart, durch die er spricht und wirkt.
Fasse die lehramtliche katholische Meinung zur Bibel zusammen, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) festgehalten hat. - Nach katholischer Auffassung sind die Bücher des AT und des NT in ihrer Ganzheit heilig und kanonisch, da sie unter Einwirkung des Heiligen Geistes formuliert wurden. Die Bücher haben Gott in diesem Sinne als Urheber und sind von Gott der Kirche übergeben worden. Die Verfasser dieser Schriften sind Menschen, die Gott ausgewählt hat, die ihm dienten und geholfen haben, das zu schreiben, was er durch sie geschrieben haben wollte. Das heißt, dass nur das in der Bibel steht, was Gott wollte, dass es niedergeschrieben wird.
NT3: Methoden der Bibelwissenschaften
1. Was heißt “Exegese”, was tut sie, wie tut sie es? - Exegese heißt Schriftauslegung, sie untersucht die BIbel mit den üblichen philologischen Mitteln als Textsammlung.
2. Was lässt sich generell zum Wert der wissenschaftlichen Methoden der Exegese sagen, inwiefern bleibt das aus ihr hervortretende Bild Jesu unvollständig und korrekturbedürftig? - Das Bild Jesu bleibt unvollständig und korrekturbedürftig, da mit den üblichen exegetischen Mitteln nichts über seinen Charakter, seine Wertevorstellungen und seine Gefühlswelt ermittelbar ist.
3. Nenne und erkläre knapp die 13 erläuterten Zugänge zur Bibel! - 1. Textwissenschaft: Rekonstruktion des ursprünglichen Bibeltextes; 2. Einleitungswissenschaften: Entstehung der einzelnen Schriften und Prozess von deren Kanonisierung; 3. Historisch-kritische Methode: Untersuchung biblischer Texte auf deren historischen Gehalt; 4. Archäologie: Ausgrabungen und Entdeckungen biblischer Spuren; 5. Philologisch-literaturwissenschaftliche Methoden: Struktur und Aufbau biblischer Texte, literarische Form, Einordnung der Textsorte, Quellenforschung; 6. Rezeptionsgeschichte: beabsichtigte Wirkung der Texte auf ihre Adressaten; 7. Wirkungsgeschichte: tatsächliche Auswirkungen der Texte, Abgleich mit den Absichten der Autoren; 8. Soziologische Methoden: welche gesellschaftlichen Verhältnisse spiegeln sich in den Texten?; 9. Tiefenpsychologische Methoden: therapeutisch (auf Heilung hin) ausgerichtete Beleuchtung biblischer Texte als aus Lebenserfahrung und Unterbewusstsein gespeiste Quellen; 10. Feministischer Zugang: Kritik an der Dominanz von Männern in der Bibel (radikale Fassung), besondere Wertschätzung von biblischen Erwähnungen von Frauen und Schwachen (weniger radikale Fassung); 11. Religionswissenschaftliche Methoden: Vergleich der Bibel und ihrer Aussagen mit den Heiligen Schriften anderer Religionen; 12. Kanonischer Zugang: Deutung biblischer Texte im Zusammenhang der ganzen Bibel; 13. Biblische Theologie: Auslegung, die dem Glauben dient und ihn besser verständlich macht (Hauptthemen: biblisches Gottesverständnis, Einschätzung Jesu Christi und der Kirche, Anthropologie und Ethik).
4. Wie genau funktioniert nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die “rechte Ermittlung des Sinnes der Heiligen Texte”? - Schriftauslegung umfasst die sorgfältige Erforschung dessen, was die biblischen Autoren zu sagen beabsichtigten (vermittelbar damit sind alle 13 Zugänge!), hervorgehoben werden die Zugänge 3, 5, 6, 7 und 12.
5. Welche Aufgabe und welche Bedeutung kommt den Exegetinnen und Exegeten nach “Dei Verbum” zu, welche Grenze hat ihre Arbeit? - Aufgabe der Exegetinnen und Exegeten ist das von den genannten Regeln bestimmte Hinarbeiten auf eine tiefere Erfassung und Auslegung des Sinnes der Heiligen Schrift, das Ergebnis ist eine wissenschaftliche Vorarbeit, auf deren Grundlage das Urteil der Kirche reift: Über die Gültigkeit einer Schriftauslegung zu entscheiden ist jedoch gottgegebener Auftrag und Dienst der Kirche (d.h. nicht der Wissenschaft/en und/oder Exegeten/-innen).
NT4: Schwierigkeiten des Zugangs
1. Welche 6 “Welten” der Bibel sind anders als heute? - Die kulturellen, politischen, geographischen, historischen, sozialen und auch religiösen Welten sind anderes als heute, da die Bibel in einer fernen Vergangenheit geschrieben wurde. – In der “kulturellen Welt” gab es andere Gruppen und andere Geldsorten. Zudem bestellten die Bauern ihre Felder anders, die Arbeiter wurden nach anderen Regeln entlohnt, Reisen waren unbequem und gefährlich und die Aussätzigen mussten an entlegenen Orten leben. Außerdem war Sklaverei selbstverständlich und viele Länder waren nicht entdeckt, sodass man auch keine Kenntnis über fremde Religionen und Kulturen hatte. In der “politischen Welt” gab es andere Herrschaftsformen, wie z.B. die römischen Kaiser und Tetrarchen. Die “geographische Welt” liegt größtenteils im heutigen Israel/Palästina. In der “historischen Welt” der Bibel werden Krankheiten und seelische Störungen auf Dämonen und Geister zurückgeführt. Diese greifen auch in die Geschichte ein. In der “sozialen Welt” der Bibel spielen die jüdischen Frauen im Familienleben eine große Rolle, sie müssen sich aber im öffentlichen Leben zurückhalten. Eine allgemeine Schulpflicht gibt es nicht und Sozialversicherungen und Krankenkassen auch nicht. Die “religiose Welt” der Bibel ltztlich kennt andere religiöse Institutionen, wie z.B. den Tempel von Jerusalem. Zudem gibt es viele religiöse Begriffe, die heute kaum noch verstanden werden. All diese „Welten“ sind nicht mehr vergleichbar mit der heutigen Zeit.
2. Nenne und erläutere die drei Deines Erachtens größten Probleme mit der Bibel. - Ein großes Problem der Bibel ist, dass sie in Hebräisch, Aramäisch und Griechisch geschrieben ist. Allen, die diese Sprachen nicht verstehen, sind die biblischen Bücher nur in Übersetzungen zugänglich, jedoch sind dies schon Interpretationen. Ein weiteres Problem der Bibel ist, dass das kulturelle Umfeld vor 2000 Jahren ein anderes Gesicht hatte. Es gab andere Gruppen und somit andere Gesellschaften. Es ist also schwer sich in die alten Lebenssituationen hineinzuversetzen. Damit hängt auch das Problem zusammen, nämlich dass die sozialen Verhältnisse mit denen von heute nicht vergleichbar sind. Das Leben damals war einfach anders, dadurch kann man sich schlecht damit identifizieren.
3. Was bedeutet “fundamentalistisches Schriftverständnis”? - Die meisten Fundamentalisten sind der Ansicht, neben der wörtlichen Auslegung der Bibel sei keine andere Deutung erlaubt. Sie sind zum Beispiel davon überzeugt, dass die Welt in 6 Tagen geschaffen wurde.
NT5: Verschiedene Übersetzungen eines Textes
1. Wofür ist Luthers Bibelübersetzung nach Thomas Söding ein Beweis? - Sie ist ein Beweis dafür, dass jede Übersetzung die Möglichkeit bietet, neben der Ausgangs- auch die Zielsprache besser kennenzulernen und diese gar zu bereichern (Luthers Schreibstil wirkte stil- und sprachbildend für Jahrhunderte; Beispiele für noch heute geläufige Wortschöpfungen Luthers: Feuertaufe, Bluthund, Selbstverleugnung, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Gewissensbisse, Lästermaul, Lockvogel, Perlen vor die Säue werfen, ein Buch mit sieben Siegeln, die Zähne zusammenbeißen, etwas ausposaunen, im Dunkeln tappen, ein Herz und eine Seele, auf Sand bauen, Wolf im Schafspelz, der große Unbekannte… – Quelle: Wikipedia).
2. Warum und mit welchem Ergebnis sollte nach Heike Schmoll die Auslegung der Bibel “dienende Funktion” haben? - Die Auslegung der Bibel hat eine dienende Funktion, denn sie soll nur dem Verständnis dienen und nicht als Autorität über dem Bibeltext stehen, damit man sich nicht auf die Auslegung, sondern auf den originalen Text berufen kann.
3. Aus welchen beiden Perspektiven kann die Bibel übersetzt werden? - Eine Perspektive, aus der die Bibel übersetzt werden kann, ist die Orientierung an der Ausgangssprache. Durch die wortgetreue Übersetzung wird diese zwar genauer, aber auch schwerer verständlich. Die andere Übersetzungsmethode versucht, sich möglichst eng an die Zielsprache anzulehnen und wird so frei, jedoch auch ungenau.
4. Wie gehen viele Übersetzungen damit um? - Die meisten Bibelübersetzungen versuchen einen Kompromiss der beiden Perspektiven zu finden, um die Vorteile zu nutzen und die Nachteile zu meiden.
Einen Überblick über das Alte Testament, seine Themen, Entstehung und Beforschung gibt uns das “Basiswissen”-Kapitel in dem Buch “Mensch” aus dem Oberstufenlehrwerk “Neues Forum Religion” von Werner Trutwin. Die Erarbeitung erfolgt über kooperativ zu bearbeitende und zu besprechende Studierfragen, verlässliche Musterantworten werden als Vorbereitung für die Klausur hier gesammelt.
AT1: Die eine zweigeteilte Bibel
Welchen zeitlichen Bogen spannt die Bibel? - Die Bibel spannt einen zeitlichen Bogen von den Schöpfungserzählungen (Genesis, erstes Buch des AT) bis hin zur Vollendung der Welt (Offenbarung des Johannes, letztes Buch im NT).
Wessen Spuren, Erfahrungen und Interpretationen enthält sie? - Die Bibel enthält Spuren Gottes, Erfahrungen der Menschen und Interpretationen der Welt und des Lebens.
Ist die Bibel Gottes Offenbarung oder Zeugnis der Menschen? Erläutere! - Die Bibel ist das Zeugnis von Menschen, die mit Gott Erfahrungen gemacht haben, sie ist Gooteswort im Menschenwort, z.B. enthält sie auch Irrtümer und Unkorrektheiten wie z.B. manche historische Angaben.
Was ist mitzubedenken, wenn man sagt: „Die Bibel ist eine Einheit“? - Obwohl die Bibel eine Einheit ist, weist sie viele Verschiedenheiten und Gegensätze auf. Diese sind auf die verschiedenen Erfahrungen der Menschen in unterschiedlichen Zeiten zurückzuführen.
In welchem Mengen-Verhältnis stehen AT und NT in der Bibel? - Das Alte Testament ist eine Einheitsübersetzung und umfasst ca. 1050 Seiten, wohingegen das Neue Testament mit ca. 320 Seiten nicht ganz so umfangreich ist.
Warum ist die Bibel auch Heilige Schrift des Judentums? - Die Christenheit teilt die Bibel (auch: “hebräische Bibel”) im Großen und Ganzen mit dem Judentum. Sie hat im Judentum ihren Ursprung, ist dort gewachsen und wird bis heute heilig gehalten und gelesen.
Wie stand Jesus zu den Schriften des AT? - Jesus selbst ist mit den Schriften des Alten Testaments aufgewachsen und wurde zeit seines Lebens durch sie geprägt, er verehrte sie und legte sie auch in seiner eigenen Predigttätigkeit aus. Er stützt sich z.B. auf die Worte des Alten Testaments, als er auf die Zehn Gebote zu sprechen kommt (Bergpredigt/Antithesen). Auch seine Gleichnisse und Taten entwickeln erst vor dem Hintergrund des ATs erst ihren vollen Sinn (Überbietungswunder/Speisungswunder). Auch Symbole, Formen und Zahlen aus dem AT macht sich Jesus zunutze. So ist die Zahl 40 im AT von großer Bedeutung (Auszug aus Ägypten: Israel zieht 40 Jahre lang durch die Wüste). Jesus ist vierzig Tage in der Wüste, um zu fasten.
Wie verhalten sich jüdische und christliche Auslegungen der Bibel? - In seiner Substanz ist die Bibel Israels bleibende Fundament auch des christlichen Glaubens. Juden und Christen lesen und verstehen dieses Buch im Ganzen und vielen Details jedoch unterschiedlich (z.B. erkennen Christen in Jesus den im AT angekündigten Messias, wohingegen Juden diesen noch heute erwarten).
Wie bestimmt Erich Zenger das Verhältnis zwischen AT und NT? - Zenger betont die Bedeutung des AT: ohne AT gibt es kein Christentum, alttestamentliche Texte wurden von Anfang an in christlichen Gottesdiensten als Wort Gottes vorgelesen und ausgelegt, Sprache und Bilder bilden die “kulturelle Matrix” der ersten Jüngerinnen und Jünger Jesu. Das AT wurde also nicht als zweitrangig oder gar als veraltet wahrgenommen, vielmehr traten im christlichen Gottesdienst die christlichen Schriften ab Mitte des 1. Jh.s zu denen der Bibel Israels hinzu. Auch Versuche, das AT zu verdrängen, scheiterten: Die Jüdische Bibel ist Fundament der Gottesbotschaft Jesu und des Christusbekenntnisses.
Nenne sieben wesentliche Inhalte des von der Päpstlichen Bibelkommission 2001 veröffentlichten Dokuments „Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel“! - 1. Jegliche Herabsetzung des ATs ist unzulässig. – 2. Das Christentum baut auf der Auslegung der Bibel des Judentums auf, d.h. das AT ist der Schlüssel zum NT. – 3. Jüdische Methoden der Schriftauslegung finden häufig Verwendung im NT. – 4. Jüdische Schriftauslegung ist heute nicht nur anzuerkennen, sondern kann auch lehrreiche Vorlage für christliche Exegese (= Schriftauslegung) sein. – 5. Es besteht Kontinuität und eine Art Symbiose zwischen dem AT und NT. – 6. Im AT sowie im NT tritt derselbe Gott in Beziehung mit den Menschen. – 7. Im AT und NT ist es Gott, der erschafft, befreit und rettet.
AT2: Viele Bücher – eine kleine Bibliothek
Erkläre den Begriff „Tanach“! - Der “Tanach” ist die Sammlung der biblischen Bücher der Juden. Der Begriff setzt sich aus 3 wichtigen Schriftgruppen der Juden zusammen, zum ersten aus der Thora (= Gesetz), aus den Nebiim (= Propheten) und aus den Ketubim (= Schriften). Die jeweiligen Anfangsbuchstaben der Wörter ergeben den Begriff “Tanach” (“K” wird als “Ch” gesprochen), außerdem wurden im Laufe der hebräischen Sprachgeschichte zwei Vokale eingefügt, damit man das Wort besser lesen kann.
Wie entstand der Begriff „Altes Testament“? - Der Begriff “Altes Testament” entstand, weil das “Neue Testament” eingeführt wurde. “Alt” deshalb, weil dieses Wort als ehrwürdig angesehen wird, es ist grundlegend gegenüber dem Neuen.
Warum ist der Begriff „Altes Testament“ nicht glücklich? - Der Begriff “Altes Testament” ist nicht glücklich, weil man “alt” mit “veraltet” assoziieren kann und so das Missverständnis entstehen könnte, dass das Alte Testament nicht mehr aktuell sei und man sich nicht mehr danach richten könne.
Welche alternativen Bezeichnungen gibt es für „Altes Testament“, welche ist warum passend? - “Erstes Testament”: Diese Formulierung entstand, da das „Alte Testament“ zuerst existierte. Sie ist aber auf Grund der Tatsache, dass sie eine Rangordnung vermittelt unglücklich, da das „Zweite Testament“ das ältere nicht ablöst bzw. ersetzt. – “Hebräische/Jüdische Bibel/Bibel Israels”: Diese Bezeichnung hat den Vorteil, dass sie keine Rangordnung erstellt und zusätzlich noch den Ursprung der Bücher hervorhebt.
Welche Schriften werden warum nicht von Juden und Protestanten der Bibel zugerechnet? - Folgende Schriften werden von Juden und Protestanten nicht zur Bibel gezählt: Tobit, Judit, 1.+2. Makkabäer, Buch der Weisheit, Jesus Sirach, Baruch und Teile der Bücher Daniel und Ester. – Diese Bücher sind so genannte „Spätschriften des Alten Testaments“, was bedeutet, dass sie zwar von beispielsweise der Katholischen Kirche zur Bibel hinzugezählt werden, die Schriften aber nicht in dem jüdischen Tanach enthalten waren.
Wie unterscheidet sich die Einteilung des ATs von der des Tanachs? - Das Alte Testament ist in die „Thora“ und die Bücher der Geschichte, die Weisheitsliteratur und die Prophetie eingeteilt. Der Tanach hingegen besteht aus „Thora“ (Gesetz), „Nebiim“(Propheten) und „Ketubim“(Schriften). Die „Thora“ ist als einzige Schriftengruppe in beiden Zusammenstellungen enthalten. Somit stehen sich auf der einen Seite die Bücher der Geschichte, Weisheit und Prophetie und auf der anderen Seite die Nebiim (Propheten) und Ketubim (Schriften) gegenüber, die aber jeweils verschieden aufgeteilt sind.
Nenne aus jeder Schriftengruppe drei alttestamentliche Bücher! -Thora: z.B. Genesis, Exodus, Levitikus…; Bücher der Geschichte: z.B. Josua, Richter, Rut…; Bücher der Weisheit: z.B. Ijob, Judit, Psalmen…; Bücher der Prophetie: Jesaja, Jeremia, Klagelieder…
In welche vier Textgruppen lässt sich das Alte Testament einteilen und worum geht es jeweils? - Die erste Gruppe ist die Thora, in der die Haupthemen die Schöpfungsgeschichte, die Geschichten von Abraham und Mose, die Gesetzgebung am Berg Sinai sowie der Einzug der Israeliten in das gelobte Land (Exodus) sind. Ferner wird in ihr erstmals der Zuspruch und Anspruch durch Gott offenbart. – In der zweiten Gruppe, der Bücher der Geschichte Israels geht es hauptsächlich um dessen Leben im „Land der Verheißung“ und dessen Vergangenheit. – Die dritte Gruppe heißt Bücher der Weisheit und bezieht sich auf die Gegenwart. Sie berichtet von den Erfahrungen und Reflexionen der Israeliten bezüglich elementarer Lebenssituationen. – Auch die vierte Gruppe, die Prophetenbücher beziehen sich zum Teil auf die Zukunft. Sie beinhaltem die tröstenden und mahnenden Worte der Propheten.
Nenne drei wesentliche Inhalte des Alten Testaments! - Das Alte Testament erzählt hauptsächlich von den Werken und Taten Gottes, von dem Volk Israel und dessen Geschichte, von der Größe, Normalität und dem Elend des Menschen sowie dessen Wegen und Irrwegen bei seiner Suche nach Gott.
Erkläre das Wort „Testament“ in biblischem Zusammenhang! - Im Deutschen bedeutet „Testament“ zwar so viel wie „Vermächtnis“, also „letzter Wille“, jedoch steht es hier für „Bund“, da in den heiligen Schriften die Rede von einem Bund des Volkes Israels (bzw. des Menschen) mit Gott ist. – „Testament“ heißt also so viel wie „Bundesbuch“.
AT3: Die Erzählungen vom Handeln Gottes mit Israel
Wie lässt sich der erste Teil des ATs charakterisieren? - Der Anfang des Alten Testamentes stellt einen umfangreichen Erzählkomplex dar, der von der Geschichte Israels und seinen dramatischen Beziehungen zu Gott spricht.
Wie unterscheidet sich das AT von den Schriften umliegender Religionen? - Im Gegensatz zu anderen nahöstlichen Mythen, z.B. dem mesopotamischen Gilgamesch-Epos oder ägyptischen Erzählungen über Osiris und Isis, sind die Erzählungen im Alten Testament fest in die Geschichte eingegliedert. Weiterhin wissen die Menschen von Gottes Forderungen, von denen für Israel und die ganze Menschheit alles abhängt.
Welche Möglichkeit kommt Israel und anderen Bibellesenden zu? - Sie haben die Möglichkeit, die Welt gegenwärtig und zukünftig positiv zu beeinflussen.
Worauf basiert diese Möglichkeit? - Sie basiert auf dem Vertrauen auf die Worte Gottes und dem Befolgen seiner Forderungen.
Nenne die 5 Abschnitte, in die sich die biblische Geschichte des AT einteilen lässt. Erläutere das Wichtigste jedes Abschnitts in (jeweils) 5 Sätzen! - 1. Schöpfung und Erzväter: Zu Beginn geht es um die Schöpfungsgerzählungen, um Kain und Abel, die Sintflut, Noach und – sehr ausführlich – Abraham und das Schicksal seiner Familie. Abraham steht in diesem Abschnitt im Mittelpunkt, da er der von Gott Erwählte – und somit der erste Erzvater – ist. Er lebt nach den Geboten Gottes und zeugt mit seiner Frau Sara Isaak, den zweiten Erzvater, der die Abrahem gemachte göttliche Verheißung einer großen Nation erben soll. Dessen Sohn Jakob – folglich der dritte Erzvater – wird der Vater von 12 Stämmen und erhält den Namen Israel (“der mit Gott gekämpft hat”), den auch seine Nachfahren tragen werden, die jedoch zerstritten sind. Am Ende verlassen alle wegen einer Hungersnot das Land in Richtung Ägypten und Jakob bestimmt in seinem Testament, dass der Stamm seines Sohnes Juda über alle anderen herrschen soll. – 2. Mose: Exodus – Gottesname – Gesetzgebung: Das Volk Israel ist groß, jedoch werden die Israeliten als Sklaven gehalten. Gott gibt sich der Welt gegenüber zu erkennen (und beweist dem Pharao von Ägypten, dem mächtigsten menschlichen Herrscher der Welt, seine Macht), indem er Mose als seinen Vermittler auserwählt und Israel befreit. Die Zeichen und Wunder, welche die Israeliten in die Wüste führen, sind in den Büchern Exodus, Levitikus und Numeri beschrieben. Auf dem Berg Sinai gibt sich Gott den Israeliten namentlich (Jahwe) zu erkennen und gibt ihnen einen Gesetzeskodex (unter anderem die 10 Gebote), nach dem sie als Gemeinschaft und als Einzelmenschen leben sollen. – 3. Im Verheißungsland: Richter und Könige: Die auf Steintafeln geschriebenen Gebote, welche den Bund zwischen Gott und Israel begründen, dienen beim Aufbruch in das verheißene Land als heiliges Schlachtenbanner. Die großen Triumphe wie die israelitische Einnahme Kanaas, König Davids Gründung eines Großreichs und Salomos Bau des Tempels in Jerusalem werden ebenso erzählt wie die Spaltung durch wiederholte Rückfälle in die Abgötterei bis hin zur Verbannung. Es entstehen zwei rivalisierende Königreiche: Israel im Norden (dessen Herrscher ausnahmslos als verstockte Sünder beschrieben werden) und Juda im Süden (von dessen Königen deutlich weniger Versagen erzählt wird). – 4. Gefangenschaft in Assur und Babylon: Gott bestraft Israel für seine Sünden, indem er Invasoren und Unterdrücker schickt: Syrische Aramäer, Assyrer und schließlich das Babylonische Reich setzen zunächst dem Nordreich und dann auch dem Südreich bis hin zur Zerstörung zu, am Ende stehen sogar Jerusalem und der Tempel in Brand. In anderen religiösen Epen bedeutet dies üblicherweise das Ende des Kultes der unterlegenen Gottheit, in der Bibel jedoch erweist sich im Ruin des Volkes Israels die Macht seines Gottes Jahwe, da er Assyrer und Babylonier als ahnungslose Helfer benutzt, um Israel für seine Untreue zu strafen. – 5. Rückkehr: Leben nach dem Gesetz Gottes: Nach der Rückkehr eines Teils der Verbannten nach Jerusalem und dem Wiederaufbau des Tempels ist Israel keine Monarchie mehr, sondern eine Religionsgemeinschaft mit Gesetz, heiligen Schriften und darin vorgeschriebenen Ritualen geworden. Allein die freie Entscheidungen von Männern und auch Frauen, dieser Ordnung zu folgen oder dagegen zu verstoßen, bestimmt fortan den Verlauf der Geschichte Israels. Die Konzentration auf die Verantwortung des Menschen begründet den nachfolgend wachsenden Einfluss der biblischen Geschichte auf die westliche Zivilisation.
Erstelle als Lernhilfe dazu ein sinnvoll strukturiertes Mindmap zu diesen Erzählungen vom Handeln Gottes mit Israel (auf A3)! -
AT4: Geschichte und Geschichten
Warum sind manche Erzählungen des ATs keine historischen Texte? - Die biblischen Texte erlauben es nicht, eine Geschichte Israels zu schreiben, die den anforderungen heutiger Geschichtswissenschaften gerecht wird. Meist sind sie lange nach der Zeit entstanden, von der sie erzählen. Sie haben nicht die Absicht, als historische Texte zu gelten.
Nenne fünf Beispiele für derlei Texte. - Urgeschichte, Erzählungen von Mose, Exodus, Wüstenzug, Landnahme.
Welche Absicht haben sie? - Derlei “unhistorische” Erzählungen wollen dem Volk im Blick auf die Vergangenheit Kraft und Hoffnung, Trost und Willen zur Gesetzestreue schenken.
Welche alttestamentlichen Erzählungen sind historisch ergiebiger, welche Zeiten haben sie zum Gegenstand? - Etwa in später Königszeit, etwa seit der Herrschaft Joschija (639-609) in Jerusalem, werden die Erzählungen historisch ergiebiger, dies gilt besonders für die Schilderung des Babylonischen Exils (586-538) und der Zeit nach der Rückkehr in das Land der Väter.
Welche religiös-theologischen Gehalte des ATs bleiben trotz der nicht immer gegebenen historischen Ergiebigkeit der sie transportierenden Texte Grundlage des Glaubens? - Trotz der nicht immer gegebenen historischen Ergiebigkeit bleiben Glaubensgrundlagen wie Monotheismus, die Schöpfungserzählung, der Dekalog, die jüdische Weisheitslehre, die Verheißungen der Propheten und die Erwartung des Messias als religiös- theologische Gehalte des Alten Testaments in den überlieferten Texten erhalten.
Nenne und erkläre 6 Bereiche der wissenschaftlichen Erforschung des ATs! - 1) Studium der alten Handschriften, auf denen sich die Texte des Alten Testaments befinden; 2) Gründliche Textuntersuchung (Vergleich, sprachliche Eigenheiten, Dubletten, Fremdwörter, Aufbau, literarische Arten, Zugehörigkeit zu Sammelwerken…); 3) Rekonstruktion der Geschichte Israels (Erhebung von Datierungen, Einordnung von Zahlen, Ereignissen, Entwicklungenn und Perspektiven Israels); 4) Vergleich mit nichtbiblischen Quellen der altorientalischen Religion, Kultur, Sprache und Geschichte (z.B. Mythen der Ägypter, Mesopotamier, Kanaanäer, Perser, Griechen, Römer, Königslisten, Verträge, Gesetze, Gebete, Chroniken); 5) Archäologische Untersuchungen von Funden und biblischen Orten; 6)Untersuchung naturgeschichtlicher Aspekte (alte Pflanzen, Tiere, Lebensmittel, Flüsse, Berge…)
Zu welchen beiden Hauptergebnissen ist die Forschung gelangt? - 1) Die Forschungen ergeben, dass die biblischen Erzählungen über weite Teile nicht mit der Geschichte Israels übereinstimmen, sondern die Texte mehr über die Zeit aussagen, in der sie entstanden sind, als über die Zeit, von der sie erzählen. Je weiter die Texte auf Personen und Ereignisse in der Vergangenheit zurückblicken, desto weniger sind sie als historische Quellen anzusehen. Viele dieser Schriftstücke sind erst in späterer Zeit aus religiös-theologischen Gründen und aus politischen MOtiven entstanden. – 2) Die Erzählungen liefern eher wenig Information über die politische und kulturelle Geschichte Israels, sie begründen jedoch die Verbindung Gottes mit Israel und der Menschheit, was für Juden und Christen auch heute noch von zentraler, maßgebender Bedeutung ist.
Illustriere Erkenntnisse und Grenzen der Forschung am Beispiel von Mosezeit und Exodus! - 1) Erkenntnisse: Ereignisse und Personen des Exodus, die traditionell ins 13. Jahrhundert v. C. gehören, werden in den Quellen der damaligen Zeit nirgends erwähnt; archäologische Forschungen haben keinerlei Hinweis auf die 40-jährige Wanderung durch die Wüste ergeben, wobei man nach so einer langen Wanderung Spuren hätte finden müssen; die Lage des Berges Sinai kann nicht genau bestimmt werden; die Schriftstücke sind erst etwa im 9.-5. Jahrh.v.C., also viel später als der Zeit, von der sie erzählen, entstanden. – 2) Historischer Rand: Die Bibel nennt Städte des Ramses, die der Pharao Ramses II. erbauen ließ; ägyptische Quellen belegen, dass Kriegsgefangene und Nomaden zur Zwangsarbeit herangezogen wurden; die semitischen Hyksos lebten lange in Ägypten und wurden dann vertrieben, Hebräer, die in Ägypten siedelten, und der Sieg über “Israel” werden in alten Schriftstücken erwähnt; “Moses” ist ein ägyptischer Name, jedoch nicht mit einem ägyptischen Götternamen verbunden, es ist schwer vorstellbar, dass spätere Schriftsteller für den wichtigsten Mann des Volkes Israel einen ägyptischen Namen erfunden hätten. – 3) Schlussfolgerung: Mose- und Exodus-Erzählung sagen dem Volk in schweren Zeiten anschaulich, dass Gott sich schon immer als Befreier des Volkes erwiesen hat und Gott die Menschen mit dieser Aussage dazu auffordern will, sich an die Geboten zu halten um seine Hilfe zu erlangen.
AT5: Propheten – Frauen – Beter – Weise
Was genau bedeutet bzw. ist ein „Prophet“ nach Alfons Deissler? - “Prophet” heißt der Wortbedeutung nach “berufener Rufer” (nabi, hebr.) und “Sprecher der Gottheit vor dem Volk” (prophetes, gr.). Die Vorstellung, dass ein Prophet die Zukunft voraussagt, ist somit stark verkürzt.
Warum ist das Buch Rut eine bemerkenswerte Schrift? - Das Buch Rut ist als Frauen-, Fremden- und Alltagsgeschichte bemerkenswert: Frauen, die in der damaligen Zeit benachteiligt wurden, müssen darin unter schwierigen Lebensbedingungen ihr Leben meistern. Als Ausländerin aus einem damals wenig angesehenem Volk gelangt Rut als Urgroßmutter Davids in eine der wichtigsten jüdischen Familien und wird sogar im Stammbaum Jesu notiert. Außerdem handelt das Buch nicht von reichen Leuten, sondern von armen Leuten und deren Alltag. Indem sie sich gegenseitig helfen und ihr Leben gemeinsam durchstehen, handeln sie so wie Gott es will.
Nenne zwei weitere alttestamentliche Schriften, in denen es v.a. um Frauen geht. Was erzählen diese Schriften? - a) Das Buch Judit: Judit ist eine verwitterte, kinderlose Frau, die durch eine List das babylonische Volk von einem Gewaltherrscher befreien kann. Dabei wendet sie Gewalt an und tötet den babylonischen Herrscher, als die Männer ohne Mut waren. – b) Das Buch Ester: eine Jüdin verhindert einen Judenprogrom. Auch hier spielt Gewalt eine große Rolle. Die Geschichte soll dem israelischen Volk Hoffnung machen und ihm Kraft geben nicht aufzugeben.
Benenne und erkläre die Überzeugung, die Erich Zenger als den Ausgangspunkt aller weisheitlichen Theologie identifiziert! - Der Ausgangspunkt aller weisheitlichen Theologie ist für Erich Zenger die aus Erfahrung gewonnene Überzeugung vom “Tun-Ergehen-Zusammenhang”. Diese Überzeugung beinhaltet, dass Gutes zu tun der Gesellschaft und sich selbst auch gut tut und Schlechtes zu tun der Gesellschaft und sich selbst schadet. Diese Überzeugung motiviert zum Guten und hält fern vom Bösen. Ein Grundwissen von Gut und Böse ist dabei Voraussetzung.
In welchem Verhältnis stehen Weisheit und Gottesoffenbarung? - Weisheit und Gottesoffenbarung hängen zusammen, sind aber nicht identisch: Der Ansatz weisheitlicher Lebenskunst ist nicht sich ereignende Gottesoffenbarung, sondern eine auf Lebensbewältigung zielende Vernunft des Menschen. Die göttliche Weisheit inspiriert die Menschen dabei zur Weisheitssuche.
Wie kann man das poetische Reden der Psalmen charakterisieren? - Die Autoren der wichtigsten Gebetsammlung des Alten Testaments, dem Buch der Psalmen, bezeichnen ihr poetisches Reden selbst nicht als “beten”. Man kann es eher mit den Begriffen “loben”, “bitten”, “klagen”, “klagen an”, “vertrauen”, “weinen”, “lachen” und “tanzen” charakterisieren.
Inwiefern spielen Frauen im AT eine große Rolle? - Die Erzväter Abraham, Isaak und Jakkob wären mit ihren Frauen (Stammmütter) Sara, Rebekka und Rahel nicht denkbar. In drei biblischen Büchern mit den Namen “Rut”, “Judit” und “Ester” wird beschrieben, dass zur damaligen Zeit, in der Frauen dem Mann gegenüber oft benachteiligt waren, gerade auch Frauen rettende Taten vollbrachten (z.B. Judit, die ihr Volk durch die Ermordung des Gewaltherrschers rettet).
AT6: Schwierigkeiten des Zugangs
Erläutere 5 konkrete Zugangsprobleme zum AT für heutige Menschen (weglassen: Weltbild)! – Zugangsprobleme ergeben sich aus den von heute stark unterschiedenen Bereichen Sprache (Bibelübersetzungen interpretieren den hebräischen, aramäischen und griechischen Originaltext), Kultur (andere Völker, andere Herrschaftsformen), Gesellschaft (andere Lebensweise, andere soziale Struktur) und Religion (Bundeslade, Erwählung, Schlachtopfer, Messias…), außerdem wirkt das biblische Reden von Gott bisweilen schwierig, z.B. wenn er mit menschlichen Zügen wie Wut, Eifersucht und Liebe beschrieben wird und in den ältesten Schriften auch vor Gewalt und Rache nicht zurückschreckt. Schwierigkeiten bereiten auch die Schilderung von Menschen als nicht uneingeschränkt vorbildliche, in diesem Sinne “zerissene”, Wesen. Letztlich schafft auch das vor-naturwissenschaftliche und für uns nicht mehr gültige biblische Weltbild (Firmament oben, Erde in der Mitte, Hölle/Totenreich unten) für Verständnisprobleme.
Beschreibe das altorientalische/biblische Weltbild, vergleiche es mit dem unserer Zeit und zeige die sich daraus ergebenden Zugangsprobleme. – Das biblische bzw. altorientalische Weltbild umfasst 3 Bereiche. Unter der Erde befeindet sich die Unterwelt in der sich Verstorbene in einem traurigen Zustand befinden. In der Mitte befindet sich die Erde, die auf dem Urozean liegt. Über der Erde erstreckt sich der Himmelsozean. Dieser wird durch das Firmament vom Urozean abgegrenzt. Über dem Himmelsozean befindet sich der Feuerhimmel. An diesem Ort dachte man sich den Wohnsitz Gottes. – Dieses altorientalische Weltbild, welches von ca. 4000 v.C. bis Christi Geburt anerkannt wurde, unterscheidet sich in vielen Aspekten vom heutigen Weltbild. Den größten Unterschied stellt die Existenz von Unterwelt und Feuerhimmel dar. Während man den Feuerhimmel mit dem heutigen Universum vergleichen kann, spielt die Unterwelt heute keine Rolle mehr. Die Vorstellung, dass es im Himmel Wasser in einem Ozean vorliegt, wurde durch die naturwissenschaftlich belegbare Tatsache, dass Wasser in Form von Wasserdampf in Wolken vorliegt, ersetzt. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass man sich früher vorstellte, dass die Stockwerke des Himmels und der Unterwelt von Dämonen, Engel oder dem Teufel bewohnt werden. – Unter anderem durch diese Aspekte ergeben sich heute einige Zugangsprobleme zum Alten Testament. So hat sich zum Beispiel der Umgang mit Engeln oder Dämonen im Vergleich zu früher stark geändert. Früher stellte man sich solche Figuren als andere Lebewesen vor, heute wird die Existenz von Engeln oder Dämonen stark bezweifelt. Ein anderes Zugangsproblem stellen die Wunder des Alten und Neuen Testaments dar. Früher wurden Wunder als nichts Besonderes angesehen. Die lässt sich auch auf die sehr eingeschränkten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zu dieser Zeit zurückführen.
Ausgehend von der Frage “Was ist Liebe?” versuchen wir nach dem kritischen und mit eigenen Erfahrungen abgleichenden Blick auf Fühmanns Erzählung heute eine eigene “biblische Erfahrung” durch Begegnung mit einem der schönsten und klügsten Texte, die das Neue Testament bietet…
Die höheren Gnadengaben – das Hohelied der Liebe (Apostel Paulus, 1 Kor 13,1-13): Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.
Angeregt durch Franz Fühmanns Erinnerungen (Quelle: ElfZwölf Religion: entdecken – verstehen – gestalten, Hgg. Gerd-Rüdiger Koretzki und Rudolf Tammeus, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008, Seite 77) tauschen wir im ersten Schritt unserer Auseinandersetzung eigene Erfahrungen mit der Bibel aus. Ergebnis soll eine strukturierte Übersicht über Fühmanns und eigene Ideen sein, die – ergänzt um eigene Erwartungen an die kommenden Unterrichtsstunden – im Kommentarbereich dieses Beitrags gesammelt sind. – Bitte nehmt im Anschluss an Euren Beitrag an der nachstehenden Umfrage teil, damit wir einen Eindruck bekommen, welche Einstellungen im Kurs geteilt bzw. abgelehnt werden.
“Buch der Bücher”, “Heilige Schrift”, “Wort Gottes” wird die Bibel genannt. Sie wurde bisher in 2400 Sprachen übersetzt und jedes Jahr kommen 30-40 weitere Übersetzungen hinzu. Ungefähr 2,5 Milliarden Exemplare gibt es weltweit. Nach wie vor ist die Bibel ein Bestseller, auch wenn sie bei uns nur von wenigen Menschen ernsthaft gelesen wird: Obwohl es bei normalem Lesetempo nur 60-70 Stunden dauern würde, sie komplett durchzulesen, fehlt vielen Christen die Bereitschaft, sich mit ihr auseinanderzusetzen.
Die Bibel entstand in einem Zeitraum von ca. 1600 Jahren: Das “Alte Testament” wurde im Zeitraum von ca. 1560 – ca. 400 v.Chr. auf Hebräisch und Aramäisch, das “Neue Testament” zwischen 50 und ca. 95 n.Chr. in griechischer Sprache verfasst. Die Stimmen, die sich in der Bibel vernehmen lassen, ergeben ein solches Maß an Verschiedenheit und Reichtum, dass sie sich nicht leicht zusammenfassen lässt: es gibt Geschichtsbücher, Lieder, Sprichwörter, Briefe und weitere Textsorten, welche eine jeweils angemessene Herangehensweise erfordern.
Allein aus kulturellen Gründen lohnt sich die Lektüre biblischer Schriften: Luthers Übersetzung ermöglichte erst die Entstehung des Hochdeutschen, antike Ausgrabungen, alte Handschriften und die Auseinandersetzung in der Kunst- und Literaturgeschichte erweisen, dass die Inhalte der Bibel weder frei erfunden noch banale Erbauungsgeschichten sind, sondern vielmehr die Beschäftigung mit ihr auch heute eine gewinnbringende Unternehmung ist.
Die Bibel bildet als Einheit der beiden Testamente das Fundament des christlichen Glaubens, auf das die Kirchen in ihrer Verkündigung zurückgreifen. Für das in der Oberstufe zu vertiefende Glaubensverständnis erscheint es notwendig, die in der Sek. I grundgelegten Erkenntnisse und Erfahrungen aufzugreifen, zu vertiefen und zu systematisieren. Zudem sind die Schülerinnen und Schüler für die weiteren Themen der Oberstufe auf die Bibel und einen reflektierten Umgang mit ihr angewiesen. Andererseits wird der Zugang durch die Fülle und die Schwierigkeiten der biblischen Schriften erschwert, so dass neben methodischen Hilfen eine Reduktion auf exemplarische Stoffe notwendig erscheint. So ist das Gottesbild der Bibel durch die Vorstellungen vom sich offenbarenden, mit-seienden Gott („Ich-bin-da“) und dem Schöpfergott fundiert. Das biblische Menschenbild wird in der Genesis grundgelegt: Der Mensch besitzt personale Freiheit. Diese Freiheit lernen Jugendliche als wertvolles Gut erfahren, das Chancen und Risiken in sich birgt. Glauben wird als Glauben in Gemeinschaft verstanden, wobei der Bundesgedanke in der Geschichte des Volkes Israel und in der Kirche entfaltet wird. In diesem Zusammenhang lassen sich die Propheten als Mahner vermitteln, die Israel auf den Weg Gottes zurückrufen. Zugang eröffnen zur Glaubensgemeinschaft, aber auch Aufruf zu Besinnung und Umkehr sind wesentliche Erziehungsziele des Religionsunterrichts.
Aus entwicklungspsychologischer Sicht sollten Jugendliche der Jahrgangsstufe 11 zudem die Fähigkeit entwickelt haben, sich wie in anderen Fächern an wissenschaftspropädeutische Fragestellungen heranzuarbeiten. Daraus ergibt sich die Zielsetzung, ein Verstehen der Bibel grundzulegen durch Kenntnisse über ihre Entstehung und deren politische, gesellschaftliche und geographische Grundlagen sowie die Kenntnis von Erschließungswegen. Da sich Jugendliche dieser Altersstufe in einer Zeit des Umbruchs befinden, können Menschen der Bibel und ihre Erfahrungen mit Gott mögliche modellhafte Hilfen für den eigenen Glauben und die Verarbeitung eigener Erfahrungen bieten. Die Bibel zeigt auch heute gültige menschliche Grunderfahrungen und deren Ausdrucksformen im Spiegel des Gottesglaubens.
Kurz und knapp sagt der Lehrplan: Eure Vorkenntnisse sollen vertieft und um exemplarische Stoffe, z.B. Gottes- und Menschenbild der Bibel, ihre Sicht von Glauben und Gemeinschaft und die auch heute zur Umkehr rufenden Propheten ergänzt werden. Dabei soll auch ein Grundgerüst an Entstehungswissen und Erschließungsmöglichkeiten erbaut werden, das erste Schritte in Richtung Studium weist. Die behandelten biblischen Personen könnten Eurer eigenen Sinnsuche dabei hilfreich zuarbeiten.
Ich persönlich glaube, dass die Bibel Gotteswort in Menschenwort, also ein im Detail durchaus kritisierbares Mittel ist, durch das Gott den Menschen übermittelt, wie er zu ihnen steht und was er von ihnen will. Durch die biblischen Autoren redet Gott zu uns von seiner Liebe für die Menschen und seinen Wunsch, die Entfernung, die zwischen uns und ihn gekommen ist, zu verkürzen und schließlich zu überwinden.
In diesem Halbjahr geht es in unserem Kurs also um dieses Buch bzw. um Erfahrungen, die Menschen mit ihm über 2000 Jahre hinweg gemacht haben und auch heute noch machen. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg…
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